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Sorbische Bibelausgaben

 

Ein Vortrag der Konfirmanden Jakob Gruhl und Michael Matschie bei ihrer Konfirmation am 6. 5. 2001 in Bautzen:

Die im Jahr 1517 begonnene Reformation hat sich positiv auf die Entwicklung der sorbischen Sprache ausgewirkt. Statt des mittelalterlichen Latein wurde nun in der Kirche die Muttersprache verwendet. Auch bei den Sorben hatte sich die Forderung nach der Bibel in der sorbischen Sprache verstärkt. Es heißt, dass sich auch Martin Luther für die Bibel in sorbischer Sprache eingesetzt haben soll, aber ihm sei gesagt worden, dass die sorbische Sprache bald abgestorben sein werde. In der Lausitz gab es nicht viele, die sorbisch schreiben oder lesen konnten, so dass das Übersetzen erst einige Jahrzehnte später begann.

 Nach dem Vorbild Luthers übersetzte Nicolaus Jacob das Neue Testament ins Niedersorbische. Im Jahre 1548 vollendete er seine Übersetzung. Dieses Manuskript wurde nicht gedruckt. Aus dem Leben von Nicolaus Jacob ist nur wenig bekannt. Zur Zeit des Übersetzens war er Pfarrer in Laubnitz. Dieser Ort liegt heute in Polen und heißt Lubanice.

Der erste Teil der Bibel, der als Buch erschien, waren die sieben Bußpsalmen Davids. Sie wurden von Gregor Martin im Jahr 1627 herausgegeben. Das war zugleich das zweite gedruckte Buch in obersorbischer Sprache. Martin war damals Pfarrer in Purschwitz bei Bautzen. Danach wurde 43 Jahre lang kein sorbisches Buch mehr herausgegeben.

Eine wichtige Persönlichkeit für die Entwicklung der sorbischen Schriftsprache war Michael Frentzel. Er wurde 1628 in Pietzschwitz geboren. Seit 1649 studierte er in Leipzig Theologie. Von 1651 bis 1662 war er Pfarrer in Kosel und von 1662 bis zu seinem Tod im Jahre 1706 Pfarrer in Großpostwitz bei Bautzen. Mit der Übersetzung des Evangeliums nach Matthäus und Markus auf der Grundlage des Bautzener Dialektes begann er seine Arbeit an der sorbischen Bibel. Die beiden Evangelien gab er im Jahre 1670 heraus. Im Jahr 1693 folgten die Briefe des Paulus an die Römer und die Galater und 1695 die Perikopen vom Leiden, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Paul Prätorius, Michael Frentzel und Michael Rätze übersetzten 1703 gemeinsam die Psalmen und gaben sie heraus. Im Jahr 1706 lag endlich das ganze Neue Testament vor, allerdings erst nach Frentzels Tod. Nun wurden Teile des Alten Testaments vorbereitet. 1719 veröffentlichten Georg Dumisch und Christian Lehnert die Bücher Sprichwörter, Prediger und Hohelied Salomons.

Es war an der Zeit, endlich die gesamte Bibel herauszugeben. Diese Arbeit übernahmen Johann Lange aus Pohla, Pfarrer in Milkel, Matthäus Jokisch aus Schwarznaußlitz, Pfarrer in Gebelzig, Johann Böhmer aus Rodewitz, Pfarrer in Großpostwitz, und Johann Wauer aus Meschwitz, Pfarrer in Hochkirch. Diese Männer übersetzten von 1716 bis 1728 das Alte und Neue Testament. 1728 wurde die erste Gesamtbibel in obersorbischer Sprache herausgegeben.

Im Jahr 1748 besorgte der Klixer Pfarrer und gebürtige Deutsche Johann Gottfried Kühn unter Mithilfe einiger sorbischer Studenten und Kandidaten die 2. Auflage der sorbischen Bibel. Als nach 50 Jahren die Bibel ausverkauft war, wurde sie zum dritten Mal herausgegeben, diesmal vom Buchbinder Johann D. Helmers. Einige Fehler wurden dabei berichtigt.

Als im Jahr 1814 in Dresden die Sächsische Bibelgesellschaft gegründet wurde, welche nach § 3 ihrer Verfassung für die Sorben die Bibel in ihrem Verlag herausgeben wollte, versprach Dr. Pinkerton von der Britischen Bibelgesellschaft 7.800 Mark Unterstützung für die Herausgabe der sorbischen Bibel in 3.000 Exemplaren. Wie viele Exemplare herausgegeben wurden, ist nicht bekannt. So erschien die 4. Auflage unter Leitung des Bautzener Pfarrers Andreas Lubensky.

Schon 1823 wurde die 5. Auflage in 5.000 Exemplaren herausgegeben, wieder von Andreas Lubensky, Diakon an der Bautzener Michaeliskirche, unter Mithilfe von Pfarrer Friedrich Wilhelm Mitschke. Die 6. Ausgabe hatte eine Auflage von nur 2.000 Exemplaren. Vorbereitet hatten sie Theodor Wetzke und Georg Wannak. 1857 hat Georg Wannak die 7. Auflage herausgebracht. 1860 wurde die 8. Auflage im Verlag der Britischen Bibelgesellschaft in Berlin herausgegeben, allerdings ohne die Apokryphen. Lektoren waren Dr. Scholze aus Weißenberg und Pfarrer Karl August Jentsch aus Pohla. Die 9. Auflage vom Jahre 1881 korrigierten Pfarrer Johann August Sickert aus Schmölln und wiederum Pfarrer Jentsch. In dieser Ausgabe waren große Fortschritte in der Rechtschreibung zu erkennen.

Die größte Auflage hatte die 10. Ausgabe vom Jahre 1893 mit 7.000 Exemplaren. Pfarrer Friedrich Heinrich Immisch aus Göda besorgte die Korrektur; er wurde unterstützt von Pfarrer Johannes Walter aus Oßling und Seminaroberlehrer Karl August Fiedler aus Bautzen. Hier ist ein großer sprachlicher Fortschritt zu sehen, der 50 Jahre zuvor noch für unmöglich galt.

Die letzte evangelische Ausgabe der Heiligen Schrift in obersorbischer Sprache erschien 1905.